Die erste Damenverbindung wurde 1899 im Köln-Bonner Raum gegründet: der Verein Studierender Frauen Deutschlands Hilaritas (Farben: schwarz-weiß-hellblau, aufgelöst 1935). Die Gründung der ersten Damenverbindung erfolgte Jahrzehnte nach den vergleichbaren männlichen Studentenverbindungen. Grund hierfür ist die lange Zeit fehlende Möglichkeit für Frauen in deutschen Landen, ein Hochschulstudium zu absolvieren. Selbst für höhere – d.h. sozial besser gestellte – Töchter endete die Schulpflicht mit 14 Jahren. Zur Reifeprüfung oder gar für eine akademische Laufbahn waren Frauen grundsätzlich nicht zugelassen.

Während die meisten Frauen der Unter- und Mittelschicht ihren Männern bildungsmäßig weitgehend gleichgestellt waren und genauso wie sie (wenn überhaupt) nur über Grundschulbildung verfügten, strebten die „höheren Töchter“ des Bürgertums bald nach Gleichberechtigung (auch) im Bildungssektor. Beseelt durch die Ideen der Aufklärung und begeistert von den Idealen Freiheit und Recht versammelten sich politisch denkende Frauen erstmals in Vereinen und unterstützten die Revolutionäre von 1848 in Wort und Tat. Durch das Scheitern der 1848-er Revolution und die politische, nachrevolutionäre Repression verschwanden diese ersten Ansätze eine Frauenrechtsbewegung mit ihren Forderungen nach Gleichberechtigung. 

 

Erst später sollten die zentralen Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung, nämlich das Recht auf Bildung sowie das Recht auf Erwerbstätigkeit in Erfüllung gehen. Parallel zur bürgerlichen Frauenbewegung entwickelte sich auch eine proletarische Frauenbewegung, die sich für teilweise gegenteilige Forderungen zu den Bürgerlichen einsetzte. Für die Arbeiterinnen war es ein dringendes Bedürfnis, nicht außer Haus arbeiten zu müssen. Durch Verarmung ganzer Bevölkerungsschichten im Zuge der sogenannten Industriellen Revolution waren immer mehr kleinbürgerliche Frauen gezwungen, eine Stelle anzunehmen. Dadurch verdrängten sie immer öfter die besser bezahlten Männer, was wiederum viele Frauen zwang, eine Arbeit anstatt ihrer arbeitslosen Männer aufzunehmen. Viele forderten daraufhin, dass die Frau ihre Erwerbstätigkeit aufgeben und „an den Herd“ zurückkehren sollte, wohl auch in der Hoffnung, dass aufgrund einer Arbeitskräftereduktion bessere Durchschnittslöhne für die am Arbeitsmarkt verbleibenden Männer erreicht werden könnten. Die Frauenarbeit wurde aber auch aufgrund der Mehrfachbelastung der Frauen (Arbeit, Haushalt, Familie) und der oft harten Arbeitsbedingungen abgelehnt. Doch neben dieser Forderung war es Ziel der proletarischen Frauenrechtsbewegung, eine gesellschaftliche Gleichstellung mit den Männern zu erreichen, ein Ziel, das erst viele Jahrzehnte später erreicht wurde, auch, weil die Vertreter der Sozialdemokratie die von ihnen geforderten Frauenrechte selbst nicht ernst nahmen: „Im Programm stand die Frau dem Manne gleich. In der Praxis wollten die Genossen meistens nichts davon wissen, auch die Prominenten nicht. ,Lasst uns mit dem langhaarigen Zeug zufrieden‘, hieß es oft“ (Unger-Winkelried). Durch den technischen Fortschritt und die damit einhergehenden sozialen Umwälzungen wurde immer mehr Frauen bewusst, dass nur durch Bildung eine berufliche Qualifikation und damit eine selbständige Existenz – unabhängig von einer Verehelichung – möglich sind.

 

Der Zugang der Frauen zur (universitären) Bildung zählt für Frauen neben dem Wahlrecht zu den wichtigsten, und auch am schwersten erkämpften Bürgerrechten. Um an einer Universität studieren zu dürfen, musste zuerst die Reifeprüfung abgelegt werden. In Österreich war dies erstmals 1887 möglich. Im Deutschen Reich folgte Preußen, das 1892 Mädchen zur Ablegung der Reifeprüfung an Knabenschulen zuließ. Studieren durften Frauen damit aber immer noch nicht. Doch sie konnten im Ausland immatrikulieren: Frauen, die es sich leisten konnten, im Ausland ein Medizinstudium zu absolvieren, konnten ab 1896 in Österreich und ab 1899 im Deutschen Reich den Beruf der Ärztin ausüben. Studiert wurde beispielsweise im schweizerischen Zürich (Studienzugang für Frauen seit 1864), den USA und anderen europäischen Ländern (bis auf Österreich und das Deutsche Reich waren in ganz Europa 1890 Frauen zum Studium an der Universität zugelassen). Österreichs erste Ärztin, Dr. Gabriele Possanner, musste allerdings, um in Wien praktizieren zu können, sämtliche Prüfungen, die sie in Zürich für den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums bereits bestanden hatte, wiederholen. Sie promovierte mit Auszeichnung.

 

Ein reguläres Studium war auch weiterhin nicht möglich. An den Universitäten Heidelberg und Leipzig wurden ab 1871, in Berlin und Göttingen ab 1895 Frauen als Gasthörer aufgenommen, ein Erlass aus dem Jahre 1896 regelte die Gasthörerschaft im gesamten Deutschen Reich, allerdings war die Hörerschaft von der Einwilligung des jeweiligen Dozenten abhängig. 

 

Erst zur Jahrhundertwende zum zwanzigsten Jahrhundert wurden Frauen auch als ordentliche Hörer – wenn auch nicht für jede Studienrichtung – zugelassen. Das Immatrikulationsrecht wurde zuerst in Österreich (1897), Baden (1900), dann in Bayern (1903), Württemberg (1904), Sachsen (1906), Thüringen (1907), Hessen, Preußen und Elsass-Lothringen (1908) und Mecklenburg (1909) gewährt. 1920 erhielten die Frauen das Habilitationsrecht. Erst 1919 durften Frauen an der juridischen Fakultät in Wien inskribieren, seit 1928 an der evangelisch-theologischen und seit 1946 an der katholisch-theologischen Fakultät. 

 

Schon in den ersten Jahren der Zulassung zum Studium gründeten Frauen eigene Studentenverbindungen: Nach der schon erwähnten Damenverbindung Hilaritas wurden u.a. 1906 in Marburg der Verein studierender Frauen, der Verein Münsterscher Studentinnen (1910), der Verein immatrikulierter Studentinnen Leipzig (1905) sowie die Organisation der Studentinnen (1907) gegründet. Bei der 100-Jahr-Feier der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (heute: Humboldt Universität Berlin) im Jahre 1910 chargierten Mitglieder von Damenverbindungen bei der Universitätsfeier. In den 1920er Jahren existierten bereits rund 100 Damenverbindungen, die sich bald zu Dachverbänden zusammenschlossen. Der Anteil der korporierten Frauen an den Universitäten war damals bedeutend höher als heute. In Münster waren 1915 fast 2/3 aller Studentinnen korporiert.

 

Der Anteil von Frauen an den Immatrikulierten stieg auch in Österreich stetig an, im Jahre 1930 war knapp ein Viertel der Studenten an der Universität Wien weiblich, 1940 29%. Diese Zahl stieg – kriegsbedingt – auf knapp 50% im Wintersemester 1943/44. 1950 lag der Frauenanteil wieder bei 30% und stieg von da an weiter an. Heute inskribieren österreichweit etwa gleich viele Männer wie Frauen.

 

Genauso wie die männlichen wurden auch die weiblichen Studentenverbindungen in der NS-Zeit gleichgeschaltet bzw. verboten. Dieses Verbot blieb auch unter der alliierten Militärregierung nach dem Zweiten Weltkrieg aufrecht.